Unsere Wirtschaft und die Folgen der Globalisierung


Konkurrenz und Egoismus

Die Institutionen und Gesetze der Wirtschaftspolitik schaffen Anreize für den „freien“ Markt. Dieser fördert Gewinnstreben und Konkurrenz, Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Es gilt als effizient und rational, wenn sich ein Wirtschaftsunternehmen gegenüber dem anderen durchsetzt. Das eigene Wohl und Unternehmensgewinne stehen im Vordergrund. Gegenseitige Hilfe der Unternehmen untereinander ist eher selten. Dies ist schlecht fürs Geschäft und kann sich durchaus rächen. Es hat u.a. zur Folge, dass immer wieder Unternehmen vom Markt verschwinden, die sinnvolle und wünschenswerte Produkte bzw. Dienstleistungen zur Verfügung stellen und Menschen einen guten Arbeitsplatz bieten. Wollen wir das so akzeptieren?

Fehlen von freundschaftlichen Beziehungen
In der Wirtschaft geht es oft nur um den eigenen Vorteil. Im Gegensatz dazu folgen private Freundschaftsbeziehungen jedoch anderen Regeln. Hier geht es uns gut, wenn wir einander vertrauen können, wenn wir uns gegenseitig helfen, teilen, einander empathisch zuhören, mitfühlen und die Bedürfnisse der anderen genauso ernst nehmen wie die eigenen. Wir sollten allmählich damit beginnen, diese Werte auf die Wirtschaft zu übertragen.

Nachteile durch Globalisierung
Die wirtschaftliche Globalisierung mit all ihren Nachteilen schreitet immer weiter fort. Trotz mehr oder weniger stetig steigender Wirtschaftsleistung in vielen Ländern, sind die Probleme, auf nationaler, wie auch auf internationaler Ebene, eher größer geworden:

  • Zunahme der Armut bzw. Altersarmut
  • Finanz-, Währungs-, Wirtschaftskrisen, Staatsverschuldung
  • Weltweite Hungersnöte
  • Ökologische Katastrophen
  • Das weltweit vorhandene Kapital verteilt sich auf immer weniger Köpfe
  • Nicht akzeptabler Einfluss von großen Konzernen in der Politik und damit immer größer werdende Beschneidung demokratischer Grundwerte
  • Erfolgreiches bzw. nachhaltiges Wirtschaften, das allen zugutekommt, sieht anders aus.

Aber selbst in Deutschland – bekannt für seine sozialen Errungenschaften – werden, trotz einem lang andauernden Wirtschaftswachstum die Menschen immer unzufriedener. Dies liegt an der sich immer weiter öffnenden Einkommensschere, da auch hier immer weniger Menschen über immer mehr Kapital verfügen. Zum Teil brauchen die Menschen zum Überleben mehrere Jobs. Außerdem fühlen sich die Menschen von der Politik verlassen, weil sie das Gefühl nicht loswerden, Staat und Regierung (inkl. der EU) tun alles für das Wohl von großen Wirtschaftsunternehmen (CETA, TTIP, …) und Banken (Milliardenunterstützungen …) etc.

Konsequentes Umdenken erforderlich:
Es muss jedem klar werden, dass wir mit dem bisher angewandten Wertesystem und den entsprechenden Rahmenbedingungen keine Systemverbesserung bzw. Lösung der Probleme erzielen können – im Gegenteil. Warum soll plötzlich alles besser werden, wenn wir die eigentlichen Ursachen nicht ändern?
Immer mehr Menschen erkennen die Notwendigkeit eines anderen Wirtschaftens und Lebensstils und sehnen sich nach Veränderungen. Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung im Jahre 2010 wünschen sich 88% aller Deutschen und 90% aller ÖsterreicherInnen eine neue und ethischere Wirtschaftsordnung, die den Schutz der Umwelt und den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft stärker berücksichtigt

Diese Erkenntnis allein bringt an sich noch keine Veränderung. Jedoch können die Menschen als Verbraucher – durch nachhaltigen Konsum oder Nicht-Konsum sehr wohl Einfluss auf die Wirtschaft nehmen. Schon kleine Veränderungen können Großes bewirken.

Nach Christian Felber, Autor des Buches „Gemeinwohl-Ökonomie“ und Mitinitiator der Gemeinwohlökonomie-Bewegung steht unser jetziges Wirtschaftssystem auf dem Kopf. Das Geld ist zum Selbst-Zweck geworden, statt ein Mittel zu sein für das, was wirklich zählt: ein gutes Leben für alle.

Nachhaltigkeit – aber wie?
Heutzutage stehen den Unternehmen die unterschiedlichsten Standards in Sachen Nachhaltigkeit zur Verfügung. Dazu zählen: EMAS Plus, UNGC, OECD-Leitsätze, Deutscher Nachhaltigkeitskodex, ISO 26000 und Global Reporting Initiative (GRI). Gerade kleine Unternehmen können damit überfordert sein. Christian Felber setzt sich deshalb dafür ein, gemeinsame Ideen in der Praxis umzusetzen und Vertrauen, Verantwortung, Mitgefühl, Teilen und Solidarität zu fördern: „Wenn wir es schaffen, die Werte der Wirtschaft mit den Werten der Gesellschaft in Einklang zu bringen, schafft das enorm viel Freiheit für ein lust- und kunstvolles Leben“ (SZ, 7.1.2014).

Die zukunftsorientierten Handlungsmodelle basieren auf Vernetzung und Kooperation; sie orientieren sich am Gemeinwohl und einem Guten Leben für Alle. Die Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt. Beginnen Sie noch heute damit.