Gemeinwohlökonomie – Eine Wirtschaft zum Wohle aller!

Wie würde eine Ökonomie aussehen, in der nicht das Geld, sondern das Gemeinwohl zum obersten Ziel des Wirtschaftens wird?
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist der Modellentwurf einer ethischen Wirtschaftsordnung, die für alle Menschen die gleichen Rechte, Freiheiten und Chancen vorsieht. Sie überwindet das Grundproblem der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung – die Verwechslung von Ziel (Gemeinwohl) und Mittel (Geld). Der neue Fokus richtet sich auf die Mehrung des Gemeinwohls anstatt auf die Mehrung des Kapitals.


Gemeinwohl in den Verfassungen

Schon heute ist die Gemeinwohl-Ökonomie in zahlreichen Verfassungen verankert:

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.“
(Bayrische Verfassung, Art. 151)

„Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft.“
(Bayrische Verfassung, Art. 157)

„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“
(Deutsches Grundgesetz, Art. 14)

„Das Gesetz bestimmt die Wirtschaftspläne, damit die öffentliche und private Wirtschaftstätigkeit nach dem Allgemeinwohl ausgerichtet werden können.“
(Verfassung Italiens, Art. 41)

„Die wirtschaftliche Aktivität und die Privatinitiative sind frei, innerhalb der Grenzen des Gemeinwohls.“
(Verfassung Kolumbiens, Art. 333)

 

Stellenwert von Unternehmen bzw. der Wirtschaft – Gemeinwohl-Bilanz

Unternehmerische Energie wird über die Gemeinwohl-Bilanz auf jene Grundwerte der Gesellschaft gelenkt, die auch im privaten Bereich angestrebt werden. Anstelle von Konkurrenzdenken und Profitmaximierung werden Kooperation und die Mehrung des Gemeinwohls zum Maßstab unternehmerischen Erfolgs.
In der Gemeinwohlmatrix steht, wie die Werte der Gemeinwohlökonomie im unternehmerischen Alltag gelebt werden können. Sie wird laufend weiterentwickelt und wird demokratisch entschieden. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Werte:

  • Menschenwürde
  • Solidarität
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Soziale Gerechtigkeit
  • Demokratische Mitbestimmung & Transparenz

Anhand der Matrix erstellen die Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz.

Gemeinwohl-Bericht
Im Gemeinwohl-Bericht erklären Sie die Umsetzung der Gemeinwohlwerte, sowie ihr Entwicklungspotential und nehmen eine Bewertung vor. Bericht und Bilanz werden extern überprüft und veröffentlicht. Damit werden die Leistungen für das Gemeinwohl bekannt gemacht.

Beispiele:

 

Die Gemeinwohl-Ökonomie tritt für folgende Ideale ein:

  • Ethische Arbeitsbedingungen in der Wirtschaft, ohne Erniedrigung oder Gewalt
  • Ziel ist nicht die Vermehrung des Geldkapitals, sondern das gute Leben für alle
  • Wiedereinführung eines gemeinwohlorientierten Finanzsektors
  • Beendigung der ökologischen Zerstörung
  • Nachhaltiges und sinnvolles Wirtschaften bzw. Produzieren von Gütern
  • Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperationen, Solidarität und Teilen, Gemeinwohlstreben

 

Zahlen zur Verbreitung der GWÖ
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist nicht nur eine Idee, sondern Realität. Weltweit hat sich – Stand 2015 – eine zivilgesellschaftliche Bewegung in über 40 Staaten mit 19 Vereinen und über 100 regionalen Gruppen aufgespannt. Mehr als 2000 Unternehmen unterstützen das Modell, 350 davon haben bereits eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt.

 

Ziele der Gemeinwohlökonomie

Die Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet ein Wirtschaftssystem, welches auf Werten aufgebaut ist, die das Gemeinwohl fördern. Sie ist ein Veränderungshebel auf verschiedenen Ebenen – eine Brücke in eine andere Zukunft. Eine einzigartige Chance, wie wir die Zukunft erfolgreich meistern und die globalen Probleme nachhaltig lösen können.

Wirtschaftliche Ebene
Auf wirtschaftlicher Ebene ist sie eine lebbare und konkret umsetzbare Alternative für Unternehmen verschiedener Größen und Rechtsformen. Der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung vom Unternehmenserfolg werden anhand Gemeinwohl-orientierter Werte definiert.

Politische Ebene
Auf politischer Ebene will die Gemeinwohl-Ökonomie eine rechtliche Veränderung bewirken. Ziel des Engagements ist ein gutes Leben für alle Lebewesen und der Schutz des Planeten. Menschenwürde, globale Fairness und Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei wesentliche Elemente. Ziel ist ein Gemeinwohl-orientiertes Wirtschaftssystem.

Gesellschaftliche Ebene
Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine Initiative der Bewusstseinsbildung. Ziel ist ein Systemwandel, der auf dem gemeinsamen, wertschätzenden Tun möglichst vieler Menschen beruht. Die Bewegung gibt Hoffnung und Mut und sucht die Vernetzung und Befruchtung mit anderen alternativen Initiativen. Sie versteht sich als ergebnisoffener, partizipativer, lokal wachsender Prozess mit globaler Ausstrahlung.

Vision
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein entwicklungsoffener Prozess. Sie sucht nach Synergien mit ähnlichen Ansätzen. Sie macht keine starren Vorgaben, sondern hat den Wunsch, dass alle Menschen, Unternehmen und Organisationen sich an dem Entwicklungsprozess aktiv und gestalterisch beteiligen.
Wichtig ist auch, dass dieser Prozess politisch unabhängig ist. Er soll von den Menschen und von der Gesellschaft bzw. der Wirtschaft initiiert bzw. getragen und ausgebaut werden. Die Politik wird ab einem bestimmten Zeitpunkt gar keine andere Wahl mehr haben, als diese Bewegung zu unterstützen.

 

Erfolge der Gemeinwohl-Ökonomie

2010 – Von der Theorie in die Praxis
Mit der Veröffentlichung des gleichnamigen Buches wird die Gemeinwohl-Ökonomie erstmals vorgestellt: Das Ergebnis von zwei arbeitsintensiven Jahren, in denen rund ein Dutzend UnternehmerInnen das Modell der Gemeinowhl-Öknomomie entwickelten. Die ersten Züge der Gemeinwohl-Matrix – welche die angestrebte Transformation auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene begleiten solle – sind definiert. Rund 70 Unternehmen treten öffentlich als Unterstützer und Unterzeichner der Gemeinwohl-Ökonomie in Erscheinung.

2011 – Gründung des Vereins
Die ersten Regionalgruppen – sogenannte Energiefelder- sind etabliert. Rund 45 Unternehmen machen in diesem Jahr eine Gemeinwohl-Bilanz. Sie sind PionierInnen der Gemeinwohl-Ökonomie. Die Basis für die Gemeinwohl-Bewegung ist geschaffen: Privatpersonen, Unternehmen und/oder sonstige Institutionen beteiligen sich an der Umsetzung der Vision. Gestützt wird die Bewegung vom Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie, der im selben Jahr gegründet wird.

2012 – Regionale Gruppen
In Spanien und Italien schließen sich interessierte Menschen der Bewegung an. Bis Ende des Jahres gibt es rund 80 Energiefelder in ganz Europa. Das hohe ehrenamtliche Engagement organisiert sich zunehmend in thematisch fokussierten Kompetenz-Netzwerken, sogenannten AkteurInnenkreisen. Bis Jahresende gibt es mehr als 100 zertifizierte Gemeinwohl-Unternehmen.

2013 – Gemeinwohl-Bilanz als Standard
In Südtirol entsteht die erste Gemeinwohl-Region. Wir zählen rund 300 zertifizierte Gemeinwohl-Unternehmen, darunter auch Hochschulen und Bankeninstitute. Das internationale Interesse an der Gemeinwohl-Ökonomie wächst auf mittlerweile 7.000 UnterstützerInnen. Die Gemeinwohl-Bilanz etabliert sich mehr und mehr als Standard als Ethik-Bilanz.

2014 – Wachsende Bewegung
In Spanien gibt es die erste Gemeinwohl-Gemeinde. Der Südtiroler Landtag beschließt die Förderung von GWÖ-Unternehmen im öffentlichen Einkauf. Die Salzburger Landesregierung kündigt die Entwicklung eines Fördermodells für Unternehmen an. In Nord-, Mittel- und Südamerika entstehen Energiefelder. Mittlerweile haben wir mehr als 8.000 UnterstützerInnen auf allen Kontinenten: Asien, Australien, Afrika, Europa und Amerika.

2015 – Kurs auf Politik
Die ECOGOOD-Map – die Landkarte der Gemeinwohl-Ökonomie geht online. Sie zeigt wo die Bewegung aktiv verankert ist, sowie Gemeinwohl-zertifizierte Unternehmen an. Die englische Fassung der Gemeinwohl-Ökonomie wird u.a. im Parlament des Vereinigten Königreichs vorgestellt. Im September 2015 spricht sich der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) mit einer Mehrheit von 86% für die Integration des Gemeinwohl-Ökonomie Modells in den europäischen und einzelstaatlichen Rechtsrahmen aus. Die Empfehlung ist eine klare Aufforderung an die Europäische Kommission: Unternehmen sollen für den Nachweis höherer ethischer Leistungen künftig belohnt werden.

2016 – Ausblick
Die Gründung eines internationalen Verbandes wird angestrebt. Mit einer eigenen Gemeinwohl-Bilanz für Gemeinden wird ein Zuwachs an Gemeinwohl-Gemeinden erwartet. Ziel der Gemeinwohl-Ökonomie ist die Arbeit auf kommunaler Ebene mit Wirtschaftskonventen, wo über die Gemeinwohl-Parameter auf Gemeindeebene abgestimmt wird. Die Universität Barcelona hat für den UNESCO Lehrstuhl Gemeinwohl-Ökonomie angesucht – die Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet. Im ausverkauften Wiener Volkstheater wird Anfang des Jahres mit 850 Gästen 5 Jahre Gemeinwohl-Ökonomie gefeiert.

Quelle: Webseite der Gemeinwohlökonomie – https://www.ecogood.org/de/